
Prüfstelle für Brandschutztechnik
des österreichischen Bundesfeuerwehrverbandes GesmbH.
Staatlich akkreditierte Prüf- und Überwachungsstelle
A-1050 Wien, Siebenbrunnengasse 21; Tel.: +43 (0) 1-544 12 33
Rauchabsaugsysteme:
Teil 3: Optimale Anwendungen
Die optimalen Anwendungen können in zwei große Gruppen geteilt werden: einerseits solche, in denen Rauchabsaugsysteme gleichwertig mit punktförmigen Meldern betrachtet werden können, aber aus anderen Gründen, z.B. architektonischen, eingesetzt werden (1) und solche, in denen Rauchabsaugsysteme punktförmigen Meldern insoferne überlegen sind, da diese entweder nicht montiert werden können, wesentlich teurer sind oder ein schlechteres Detektionsverhalten zeigen (2). Hieraus ergeben sich daher folgende Anwendungen:
Hochregallager (1, 2)- Niedrige Zwischenböden- und Zwischendeckenbereiche (2)
- Aufzugs- und Kabelschächte (2)
- Historische Bereiche (1)
- EDV Räume und -Anlagen (2)
- Bereiche mit extremen Umweltbedingungen oder Verschmutzungsgefahr (2)
Hochregallager: Das ursprünglichste Anwendungsgebiet für Rauchabsaugsysteme, da die Wartung punktförmiger Melder in HRL - speziell in automatisch beschickten - immer wieder Probleme bereitete oder Melder durch Unachtsamkeit beschädigt oder abgerissen wurden. Ausgehend von einer Vielzahl von Brandversuchen konnte die Gleichwertigkeit der Rauchabsaugsysteme zu punktförmigen Meldern nachgewiesen werden bzw. mußte festgestellt werden, daß die bis dahin gültigen Bestimmungen für punktförmige Melder (vertikale Abstände von bis zu 4 m) keine zuverlässige Detektion garantierten. Davon ausgehend wurde die TRVB S 123 derart geändert, daß nunmehr punktförmige Melder in jeder Regalebene in einem Maximalabstand von 6,0 m montiert werden müssen. Diese neuen Bestimmungen führten de facto dazu, daß in HRL keine punktförmigen Melder mehr montiert werden, da sie gegenüber den Rauchabsaugsystemen nicht mehr wirtschaftlich sind.
Abhängig von den verschiedenen Typen der am Markt erhältlichen Rauchabsaugsysteme werden diese im HRL in U- oder Z-Form verlegt, wobei in jedem Regalgang zumindest ein Rauchabsaugsystem an der Außenseite eines Regales vorhanden sein muß. Die mögliche Länge der Rauchabsaugsysteme sowie die Anzahl der Absauglöcher ist einerseits durch das verwendete System vorgegeben, andererseits in den Prüfberichten eingeschränkt, um eine örtliche Lokalisierung zu erleichtern (siehe auch Teil 4).
Niedrige Zwischenböden- und Zwischendeckenbereiche:
Moderne Bürokonstruktionen bedingen oftmals sehr niedrige Zwischenböden- und Zwischendeckenbereiche (30 cm und kleiner). Hier gibt es für punktförmige Melder oftmals entscheidende Nachteile:
- Aufgrund der niedrigen Bauhöhe können Punktmelder oftmals gar nicht installiert werden und/oder
- die Melder müssen, um überhaupt detektieren zu können , "verkehrt", also mit dem Unterteil nach oben installiert werden, damit sich der Sensor, der sich im Unterteil des Melders ist, in der "10 %-Zone" befindet.
- oftmals sind Zwischendeckenbereiche so voll von Kabeltassen, Lüftungsleitungen und sonstigen Haustechnikinstallationen, daß eine Wartung der Punktmelder unmöglich oder nur unter großem Aufwand möglich ist.
Rauchabsaugsysteme stellen in diesen Bereichen eine hervorragend Alternative dar. Folgende Grundsätze sind jedoch zu beachten:
- Die Rauchabsaugsysteme müssen in der "10-% Zone" bezogen auf die Zwischenboden(-decken)höhe installiert werden.
- Der Abstand der Absauglöcher sollte etwas geringer als der punktförmiger Melder gewählt werden (Maximalabstand ca. 6-8 m).
Aufzugs- und Kabelschächte:
Hier gilt ähnliches wie oben ausgeführt. Zusätzlich bewähren sich Rauchabsaugsysteme, da sie in diesen senkrechten Bereichen keine Staubleche (oftmals nicht genügend Platz für ausreichende Dimensionierung derselben) benötigen, sondern sich aufgrund der "Absaugwirkung" den Luftstrom (= Rauch) selbst zuführen.
Historische Bereiche:
Ebenfalls eines der ersten Anwendungsgebiete der Rauchabsaugsysteme. In Bereichen, in denen punktförmige Melder aus denkmalschützerischen oder sonstigen optischen Gründen nicht eingesetzt werden können (dürfen), bieten sich Rauchabsaugsysteme als Alternative an. Sie können sehr flexibel verlegt werden, z.B. in Gesimsen (solange sich diese in der "10-% Zone" befinden) und damit aufgrund der Perspektive de facto unsichtbar oder in den Zwischendecken oberhalb, wobei nur kleine Löcher in der Decke - direkt unterhalb des Ansaugloches - erforderlich sind. Diese Lösungen wurden bereits in vielen historischen Gebäuden, z.B. Wr. Rathaus, Schloß Hetzendorf, Orangerie Schloß Schönbrunn usf., verwirklicht. Selbst mit Hilfe eines "Lochplanes" sind die Rauchabsaugsysteme bzw. die Absauglöcher kaum zu erkennen .....
EDV Räume und -Anlagen:
Ein wirklich wirksamer Schutz in Verbindung mit gasförmigen Löschanlagen ist in EDV-Bereichen, Telefonzentralen, Switching Räumen etc. nur mit Rauchabsaugsystemen zu verwirklichen.
Da eine eingehendere Erläuterung den Rahmen dieses Artikels sprengte, wird auf eine der zukünftigen "News" verwiesen, da hier ein eigener, ausführlicher Artikel geplant ist.
Bereiche mit extremen Umweltbedingungen oder Verschmutzungsgefahr:
Da die Detektorkästen (mit rauchempfindlichem Element und Elektronik) nicht in unmittelbarer Nähe des zu überwachenden Bereiches installiert sein müssen, und die Absaugrohre selbst extremen Klimaschwankungen widerstehen, sind Rauchabsaugsystem überall dort vorzuziehen, wo aufgrund der Temperatur oder deren Schwankung Probleme (Täuschungsalarme, technische Defekte durch Betauung etc.) mit Punktmeldern zu befürchten sind. Erwähnt seien Tiefkühllager (RAS Systeme werden erfolgreich bis -28 ° eingesetzt) oder Parkdecks.
Durch die Möglichkeit, knapp vor dem Detektorkasten Filterkästen zu setzen, besteht auch die Möglichkeit bei extremer Verschmutzungsgefahr, welche den oftmaligen Tausch punktförmiger Melder bedingte, Rauchabsaugsysteme einzusetzen. Als Beispiel sei z.B. die Fabrikationshalle einer großen Papierfabrik genannt, in welcher die Filter monatlich getauscht werden müssen.
Hersteller von Rauchabsaugsystemen:
- Schrack Seconet; Ansprechpartner: Wolfgang Kern, Tel. 01/811 57; e-mail: w.kern@schrack-seconet.com
- Total Walther Feuerschutz; Ansprechpartner: ;Manfred Frahammmer; Tel. 01/333 15 15; e-mail: m.frahammer@tycoint.com
- Wagner Sicherheitssystem; Ansprechpartner: Hannes Oberndorfer; Tel. 02262/64262-44; e-mail: oberndorfer@wagner-austria.com